Whey Konzentrat vs. Isolat: Lohnt sich der Aufpreis?
49% teurer, aber nur 8% mehr Protein. Wir haben 179 Produkte aus unserer Datenbank ausgewertet und zeigen, wann sich Isolat wirklich lohnt.

Auf einen Blick
- Isolat enthält im Schnitt 79,8 g Protein/100 g, Konzentrat 74,0 g. Der Unterschied ist kleiner als gedacht.
- Der Medianpreis pro Gramm Protein: 3,7 Cent (Konzentrat) vs. 5,2 Cent (Isolat).
- Isolat punktet bei Fett (2,7 g vs. 4,6 g) und Kohlenhydraten (5,4 g vs. 8,4 g) pro 100 g.
- Für Laktoseintoleranz oder eine strikte Diät lohnt sich Isolat. Für alle anderen ist Konzentrat das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wer Whey Protein kauft, steht früher oder später vor der Entscheidung: Konzentrat oder Isolat? Die Marketingversprechen klingen eindeutig. Isolat sei "reiner", "hochwertiger", "besser für den Muskelaufbau". Und es kostet entsprechend mehr.
Aber stimmt das wirklich? Um diese Frage nicht mit Bauchgefühl zu beantworten, haben wir unsere gesamte Produktdatenbank ausgewertet: 72 reine Konzentrat-Produkte und 107 Isolate, insgesamt über 3.000 Varianten mit echten Nährwertangaben und aktuellen Preisen. Dazu ein direkter Vergleich zweier Bestseller und die wissenschaftliche Einordnung.
Was ist der Unterschied?
Konzentrat und Isolat starten als dasselbe Rohmaterial: flüssige Molke, ein Nebenprodukt der Käseherstellung. Der Unterschied entsteht in der Verarbeitung [Smithers GW 2008].
Beim Konzentrat wird die Molke durch Ultrafiltration geleitet. Dabei passieren Wasser, Laktose und Mineralstoffe eine Membran, während die größeren Proteinmoleküle zurückbleiben. Das Ergebnis ist ein Pulver mit 70 bis 80 Prozent Proteingehalt. Der Rest besteht aus Fett, Laktose und Mikronährstoffen.
Beim Isolat kommt ein zusätzlicher Schritt hinzu. Durch Mikrofiltration (Cross-Flow) oder Ionenaustausch wird das Protein noch stärker von Fett und Laktose getrennt [Foegeding EA, et al. 2002]. Das Ergebnis: 85 bis 95 Prozent Protein, bei deutlich weniger Fett und praktisch keiner Laktose.
Filtration im Detail: Cross-Flow-Mikrofiltration arbeitet mit einem keramischen Filter, der Fett- und Laktosemoleküle durchlässt, aber Proteine zurückhält. Im Gegensatz zum Ionenaustausch kommt dieses Verfahren ohne Chemikalien aus und bewahrt die native Proteinstruktur besser. Die meisten Premium-Isolate in Deutschland verwenden heute Cross-Flow-Mikrofiltration.
Das Aminosäureprofil ist bei beiden Varianten nahezu identisch. Whey bleibt Whey, egal ob Konzentrat oder Isolat. Der Unterschied liegt in der Reinheit, also im Anteil von Protein relativ zu den anderen Bestandteilen [FAO/WHO 2013].
Der große Nährstoffvergleich: 179 Produkte im Überblick
Anstatt einzelne Produkte herauszupicken, haben wir den Durchschnitt aller Konzentrate und Isolate in unserer Datenbank berechnet. Grundlage: 72 reine Konzentrat-Produkte (1.173 Varianten) und 107 Isolat-Produkte (1.864 Varianten).
Nährwerte pro 100 g Pulver (Durchschnitt)
Das Bild ist eindeutig, aber die Abstände überraschen vielleicht: Isolat liefert im Schnitt nur 5,8 g mehr Protein pro 100 g. Auf eine typische 30-g-Portion umgerechnet sind das weniger als 2 g Unterschied. Dafür zahlt man erheblich mehr (dazu gleich mehr).
Wo Isolat klar gewinnt, ist bei Fett und Kohlenhydraten. Median 1,7 g Fett gegenüber 4,7 g beim Konzentrat. Das ist fast dreimal weniger. Und weniger Kohlenhydrate bedeuten in diesem Fall auch weniger Restlaktose, was für Menschen mit Laktoseintoleranz entscheidend sein kann.
Proteineffizienz
Anteil der Kalorien, die aus Protein stammen:
Berechnung: (Protein × 4 kcal) / Gesamtkalorien × 100. Isolat liefert knapp 8 Prozentpunkte mehr seiner Kalorien aus Protein.
Für Sportler in einer Diätphase, die jede Kalorie zählen, kann das relevant sein. Für den durchschnittlichen Trainierenden im Aufbau fällt der Unterschied kaum ins Gewicht. Bei einer 30-g-Portion sprechen wir von etwa 5 bis 8 Kalorien Differenz.
Der Preis-Check: Was kostet Isolat wirklich mehr?
Der Preis pro Kilogramm ist der naheliegendste Vergleich, aber nicht der fairste. Schließlich enthält Isolat mehr Protein pro 100 g. Darum schauen wir uns zusätzlich den Preis pro Gramm Protein an. Anders als bei den Nährwerten verwenden wir hier den Median statt des Durchschnitts, weil einzelne Extrempreise (Probiergrößen für über 100 EUR/kg, Restposten für unter 5 EUR/kg) den Durchschnitt stark verzerren.
Preisvergleich (Median aller Produkte)
Der Medianpreis für ein Kilo Isolat liegt bei 41,76 EUR, für Konzentrat bei 28,11 EUR. Das sind knapp 49 Prozent Aufpreis. Wer auf den faireren Vergleichswert schaut (Preis pro Gramm Protein), sieht immer noch 40 Prozent Mehrkosten: 5,2 Cent gegenüber 3,7 Cent.
Tipp: Vergleiche Proteinpulver immer über den Preis pro Gramm Protein, nicht pro Kilogramm. So vergleichst du die tatsächliche Proteinlieferung, nicht nur das Gesamtgewicht. In unserem Produktvergleich kannst du genau das tun.
Die Preise streuen allerdings erheblich. Ein günstiges Isolat im Angebot oder in der großen Packung kann durchaus im Preisbereich eines durchschnittlichen Konzentrats liegen. Es lohnt sich also, konkret zu vergleichen statt pauschal zu urteilen.
Head-to-Head: ESN Basic Whey vs. Bodylab24 Whey Protein Isolat
Genug Durchschnitte. Schauen wir uns zwei konkrete Produkte an, die stellvertretend für ihre Kategorie stehen: Das ESN Basic Whey (ein reines Konzentrat mit 97% Molkenproteinkonzentrat) und das Bodylab24 Whey Protein Isolat. Beide in der 2-kg-Packung, jeweils in der Geschmacksrichtung Vanille.
Das Bodylab24 Isolat gewinnt bei allen Nährwerten: 16 Prozent mehr Protein, 15 Prozent weniger Kalorien, und bei Fett ist der Unterschied mit 1,2 g gegenüber 7,8 g dramatisch. Das ESN Basic Whey kontert mit einem klaren Preisvorteil: 23,95 EUR pro Kilo gegenüber 38 EUR, also rund 37 Prozent günstiger.
Pro Gramm Protein zahlt man beim ESN 3,24 Cent, beim Bodylab24 Isolat 4,42 Cent. Der Aufpreis für das Isolat liegt hier bei rund 36 Prozent und fällt damit etwas geringer aus als der Marktdurchschnitt von 40 Prozent.
Das ESN Basic Whey bringt außerdem ein vollständiges Aminosäureprofil mit: 10 g Leucin, 6,1 g Isoleucin und 5,6 g Valin pro 100 g Protein. Das sind solide Werte, die zeigen, dass Konzentrat beim Aminosäureprofil nicht hinter Isolat zurückstecken muss.
Beide direkt vergleichenFür wen lohnt sich Isolat?
Der häufigste Grund für den Griff zum Isolat ist nicht der Proteingehalt, sondern die Verträglichkeit. Isolat enthält kaum noch Laktose, typischerweise unter einem Prozent. Für die geschätzten 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung mit einer Laktosemalabsorption kann das den Unterschied zwischen einem Shake ohne Beschwerden und stundenlangen Magenproblemen ausmachen [Misselwitz B, et al. 2019].
Auch bei einer strikten Kalorienreduktion hat Isolat Vorteile. Die höhere Proteineffizienz (86,8 % gegenüber 79 %) bedeutet, dass ein größerer Anteil der aufgenommenen Kalorien tatsächlich als Protein verwertet wird. Wer sich in der Wettkampfvorbereitung befindet und jedes Gramm Fett und Kohlenhydrate trackt, profitiert von den niedrigeren Werten.
Darüber hinaus kann Isolat für Menschen interessant sein, die mehrere Shakes am Tag trinken. Wer drei bis vier Portionen Whey zu sich nimmt, bei dem summieren sich die Unterschiede bei Fett und Kohlenhydraten. Drei Portionen Konzentrat (je 30 g) liefern rund 14 g Kohlenhydrate mit, drei Portionen Isolat nur etwa 5 g.
Zusammengefasst lohnt sich Isolat am ehesten, wenn du laktoseintolerant bist, in einer aggressiven Diätphase steckst oder sehr hohe Proteinmengen über Shakes abdeckst.
Für wen reicht Konzentrat?
Für die Mehrheit der Trainierenden. Die International Society of Sports Nutrition hält in ihrem Position Stand fest, dass die Art der Proteinquelle für die Muskelproteinsynthese weniger entscheidend ist als die Gesamtmenge und das Timing [Jäger R, et al. 2017]. Solange du auf deine tägliche Proteinzufuhr kommst, spielt es keine messbare Rolle, ob die 25 g in deinem Shake aus Konzentrat oder Isolat stammen.
Die Meta-Analyse von Morton et al. (2018) bestätigt das: Die Gesamtmenge an Protein pro Tag korreliert deutlich stärker mit Muskelzuwachs als die Proteinquelle selbst [Morton RW, et al. 2018]. Das ist ein wichtiger Punkt, weil er den Fokus dorthin lenkt, wo er hingehört: auf die Konsistenz der Ernährung, nicht auf das Label auf der Dose.
Finanziell ist das Argument klar. Wer einen 2-kg-Beutel Konzentrat für rund 48 EUR kauft statt Isolat für 76 EUR, spart pro Bestellung knapp 28 EUR. Über ein Jahr summiert sich das schnell auf 150 EUR oder mehr. Geld, das man in bessere Lebensmittel, ein Fitnessstudio-Abo oder schlicht andere Dinge investieren kann.
Wer keine Laktoseprobleme hat und nicht gerade für einen Wettkampf trocknet, fährt mit Konzentrat ausgezeichnet. Die paar Gramm Fett und Kohlenhydrate pro Portion fallen im Kontext einer normalen Ernährung nicht ins Gewicht.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Ist Whey Isolat besser als Konzentrat?
Isolat enthält im Durchschnitt 79,8 g Protein pro 100 g (vs. 74 g beim Konzentrat), weniger Fett und weniger Kohlenhydrate. Ob es „besser" ist, hängt von deinen Zielen ab. Für Laktoseintoleranz oder eine strikte Diät kann Isolat sinnvoll sein. Für die meisten Sportler reicht Konzentrat vollkommen aus.
Wie viel teurer ist Whey Isolat?
Unsere Analyse von 179 Produkten zeigt: Der Medianpreis für Isolat liegt bei 41,76 EUR/kg, für Konzentrat bei 28,11 EUR/kg. Das entspricht einem Aufpreis von knapp 49%. Pro Gramm Protein kostet Isolat im Median 5,2 Cent gegenüber 3,7 Cent beim Konzentrat.
Ist Whey Isolat laktosefrei?
Nicht komplett, aber nahezu. Durch die zusätzliche Filtration enthält Isolat nur noch Spuren von Laktose (unter 1%). Konzentrat enthält je nach Produkt 4 bis 8% Kohlenhydrate, ein Teil davon Laktose. Wer laktoseintolerant ist, verträgt Isolat in der Regel deutlich besser.
Was hat mehr Protein: Konzentrat oder Isolat?
Isolat. In unserer Datenbank liegt der Durchschnitt bei 79,8 g pro 100 g (Isolat) gegenüber 74,0 g (Konzentrat). Pro Portion (30 g) sind das etwa 24 g vs. 22 g Protein. Der Unterschied ist real, aber kleiner als oft behauptet.
Lohnt sich Whey Isolat zum Abnehmen?
Isolat hat eine höhere Proteineffizienz: 86,8% der Kalorien stammen aus Protein (vs. 79% beim Konzentrat). Pro Portion spart man etwa 5 bis 10 kcal. Wer streng Kalorien zählt, profitiert davon. Für die meisten ist der Unterschied im Alltag allerdings vernachlässigbar.
Haben Konzentrat und Isolat das gleiche Aminosäureprofil?
Ja, im Wesentlichen schon. Da beide aus Molke gewonnen werden, ist das Aminosäureprofil nahezu identisch. Der Leucin-Gehalt liegt bei beiden typischerweise um die 10 g pro 100 g Protein. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität des Proteins, sondern in der Reinheit des Pulvers.
Fazit
Die Daten sprechen eine klare Sprache: Isolat ist das bessere Produkt auf dem Papier. Mehr Protein, weniger Fett, weniger Kohlenhydrate, weniger Laktose. Aber die Frage war nicht "Was ist besser?", sondern "Lohnt sich der Aufpreis?"
Für knapp 50 Prozent Mehrkosten bekommt man rund 8 Prozent mehr Protein und ein saubereres Nährwertprofil. Ob das den Aufpreis rechtfertigt, hängt von der individuellen Situation ab. Wer Laktose nicht verträgt, für den ist Isolat die logische (und oft einzige) Wahl. Wer in einer aggressiven Diätphase jedes Gramm Fett zählt, profitiert ebenfalls.
Für den Großteil der Trainierenden ist Konzentrat allerdings die klügere Investition. Die Wissenschaft zeigt, dass die Gesamtmenge an Protein pro Tag entscheidender ist als die Quelle. Und mit dem gesparten Geld lässt sich diese Gesamtmenge oft besser sicherstellen als durch ein teureres Pulver.
Nicht vergessen: Nicht alle Isolate sind automatisch besser als alle Konzentrate. Ein günstiges Isolat mit Geschmacksverstärkern und Füllstoffen kann schlechter abschneiden als ein hochwertiges Konzentrat. Schau immer auf das Nährwertprofil, nicht nur auf die Kategorie. Unser Produktvergleich hilft dabei.
Quellen
- [1] Smithers GW (2008). Whey and whey proteins: From gutter-to-gold. International Dairy Journal. Link
- [2] Foegeding EA, et al. (2002). Advances in modifying and understanding whey protein functionality. Trends in Food Science & Technology. Link
- [3] FAO/WHO (2013). Dietary protein quality evaluation in human nutrition. FAO Food and Nutrition Paper 92. Link
- [4] Misselwitz B, et al. (2019). Update on lactose malabsorption and intolerance: pathogenesis, diagnosis and clinical management. Gut. Link
- [5] Jäger R, et al. (2017). International Society of Sports Nutrition Position Stand: protein and exercise. Journal of the International Society of Sports Nutrition. Link
- [6] Morton RW, et al. (2018). A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults. British Journal of Sports Medicine. Link
Marktdaten: Eigene Analyse der ProteinDB-Produktdatenbank, Stand Februar 2026. 72 Konzentrat-Produkte (1.173 Varianten), 107 Isolat-Produkte (1.864 Varianten).